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Station 06 / 08 · Pulheim-Stommeln

Familie Heidt.

Berlich 36

Die vier Kinder der Familie Heidt gingen unterschiedliche Wege. Drei starben im Krieg oder wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Julius überlebte im Versteck und wurde nach dem Krieg Bürgermeister von Pulheim.

Die Geschichte lesen
Das Haus der Familie Heidt am Berlich, 1981.
Das Haus der Familie Heidt am Berlich, 1981.

Das Familienhaus am Berlich

Seit etwa 1910 lebte der Viehhändler Josef Heidt in dem von ihm neu errichteten Haus am Berlich 36. Mit seiner Frau Johanna, geborene Stock, zog er vier Kinder groß: Josefine, Max, Julius und Martha.

Johanna starb 1920. Josef kam 1929 bei einem Unfall ums Leben. Der gemeinsame Grabstein auf dem jüdischen Friedhof wurde während der Novemberpogrome 1938 von der SA weitgehend zerstört.

Die Niederlande wurden kein sicherer Zufluchtsort

Max Heidt arbeitete als Getreidehändler und zog nach Rotterdam, nach der überlieferten Darstellung vermutlich bereits 1922. Beim deutschen Luftangriff auf die Stadt am 14. Mai 1940 wurde er getötet.

Die Schwestern Josefine und Martha flohen 1936 beziehungsweise 1937 nach Amsterdam. Nach dem deutschen Einmarsch in die Niederlande waren auch sie der nationalsozialistischen Verfolgung ausgeliefert. Martha wurde im Juli 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 30. September 1942 ermordet.

Josefine wurde am 10. März 1943 nach Sobibór deportiert. Dort wurde sie am 13. März 1943 ermordet. Die Flucht hatte beiden Schwestern keinen dauerhaften Schutz bieten können.

Julius Heidt: überleben und Verantwortung übernehmen

Julius führte das Viehhandelsgeschäft seines Vaters weiter. 1933 heiratete er eine katholische Pulheimerin, trat zum katholischen Glauben über und zog nach Pulheim. Seine Ehe bot zunächst einen begrenzten Schutz vor der Deportation; vor Verfolgung bewahrte sie ihn nicht.

Seit September 1944 musste er sich bei einem befreundeten Fuhrunternehmer in Köln-Junkersdorf verstecken. Dort überlebte er und kehrte nach Kriegsende nach Pulheim zurück.

Die amerikanischen Truppen, die im März 1945 in Pulheim einrückten, ernannten ihn zum ersten Nachkriegsbürgermeister. Nach der Kommunalwahl 1946 wurde er in diesem Amt bestätigt und später mehrfach wiedergewählt. Julius Heidt starb am 18. August 1983 in Pulheim.

Ein Gedanke für den Weg

Welche Bedeutung hatte konkrete Hilfe durch andere Menschen für das Überleben Verfolgter?

Historische Grundlage: Josef Wißkirchen, Auf jüdischen Spuren in Pulheim-Stommeln, Münster 2022, und die bisherige Stationsseite der Initiative ↗. Die historische Vorlage wurde für diese Seite neu gegliedert und sprachlich überarbeitet. Offene oder unsichere Angaben bleiben als solche erkennbar.

Bildquelle: bisheriger Rundgang von „Pulheim zeigt sich“. Nach dessen Bildnachweis sind die Abbildungen mit Genehmigung des Verfassers dem genannten Buch entnommen. Die Aufnahmen wurden für die Webdarstellung verkleinert. Die Hörfassung wurde inhaltlich unverändert übernommen und für die Webwiedergabe komprimiert.