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Station 07 / 08 · Pulheim-Stommeln

Sophia Ehrlich.

Venloer Straße 579

Sophia Ehrlich wurde 98 Jahre alt. Ihre letzten Lebenstage fallen in die Zeit der Novemberpogrome 1938. Ihre Geschichte verlangt ein genaues Erinnern – auch dort, wo Fragen offenbleiben.

Die Geschichte lesen
Das Haus an der Venloer Straße 579, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.
Das Haus an der Venloer Straße 579, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.

Ein langes Leben in familiärer Nähe

Sophia Ehrlich wurde 1840 geboren. Die verwitwete Mutter von Dora Heymann lebte im Erdgeschoss des Hauses an der Venloer Straße 579. Ihre Tochter und deren Familie hatten am Josef-Gladbach-Platz gewohnt. Im Obergeschoss des Hauses lebte bis Ende 1938 Helene Stock.

Eine überlieferte Aufnahme zeigt Sophia 1932 im Alter von 92 Jahren, als sie das Wahllokal zur Reichspräsidentenwahl verlässt. Das Bild hält sie als selbstständige Person und Teilnehmerin am öffentlichen Leben fest.

Was sich belegen lässt – und was offenbleibt

Am 10. November 1938 zogen gewalttätige SA-Angehörige durch die Straße. Zehn Tage später, am 20. November, starb Sophia Ehrlich im jüdischen Krankenhaus in Köln-Ehrenfeld. Die Sterbeurkunde nennt einen Oberschenkelhalsbruch als Todesursache.

Offenbar war sie zuvor gestürzt. Ob der Sturz unmittelbar mit den Ausschreitungen oder mit Vorgängen vor beziehungsweise in ihrer Wohnung zusammenhing, lässt sich anhand der überlieferten Informationen nicht klären. Der zeitliche Zusammenhang ist belegt; eine direkte Verursachung durch den Pogrom darf daraus nicht als gesicherte Tatsache abgeleitet werden.

Aus der Wohnung wurde ein Parteibüro

Nach Sophias Tod zog das Büro der NSDAP-Ortsgruppe in die frei gewordene Wohnung ein. Das Gebäude wurde zum sogenannten „Braunen Haus“ in Stommeln.

So wurde der Wohnort einer jüdischen Frau zu einem Ort der Partei, die jüdische Menschen systematisch entrechtete und verfolgte. Der Blick auf Sophia Ehrlich hält die Erinnerung an die Bewohnerin wach, deren Leben diesem Gebäude vorausging.

Ein Gedanke für den Weg

Wie können wir eine Geschichte erzählen, ohne die Lücken in unserem Wissen mit Vermutungen zu füllen?

Historische Grundlage: Josef Wißkirchen, Auf jüdischen Spuren in Pulheim-Stommeln, Münster 2022, und die bisherige Stationsseite der Initiative ↗. Die historische Vorlage wurde für diese Seite neu gegliedert und sprachlich überarbeitet. Offene oder unsichere Angaben bleiben als solche erkennbar.

Bildquelle: bisheriger Rundgang von „Pulheim zeigt sich“. Nach dessen Bildnachweis sind die Abbildungen mit Genehmigung des Verfassers dem genannten Buch entnommen. Die Aufnahmen wurden für die Webdarstellung verkleinert. Die Hörfassung wurde inhaltlich unverändert übernommen und für die Webwiedergabe komprimiert.