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Station 01 / 08 · Pulheim-Stommeln

Familie Heymann.

Josef-Gladbach-Platz 9

Ein Zuhause in Stommeln, Verantwortung für die Gemeinde und Lebenswege, die schließlich weit auseinanderführten. Das Haus der Familie Heymann erzählt von Zugehörigkeit, Verfolgung und Neubeginn.

Die Geschichte lesen
Das Haus der Familie Heymann, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.
Das Haus der Familie Heymann, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.

Ein Lebensmittelpunkt für sechs Menschen

Seit etwa 1905 lebten Joseph Heymann und seine Frau Dora, geborene Ehrlich, mit ihrer Familie am Josef-Gladbach-Platz. Joseph, 1868 geboren, stammte aus einfachen Verhältnissen und arbeitete sich zu einem erfolgreichen Immobilienmakler hoch. Seit etwa 1915 übernahm er als Vorsteher Verantwortung für die jüdische Gemeinde in Stommeln.

Zum Familienleben gehörten vier Kinder: Georg, geboren 1905, Änne, geboren 1907, Martha, geboren 1910, und Josefine, geboren 1917. Alle vier konnten ein Gymnasium in Köln besuchen. Nach Doras Tod im Jahr 1926 zog Joseph 1927 mit den Kindern nach Köln-Lindenthal.

Eine Familie verlässt Deutschland

Änne emigrierte bereits im Mai 1930 nach Palästina. Martha folgte 1933, Josefine 1936. Die beiden jüngeren Schwestern gründeten dort Familien. Auch Joseph Heymann verließ Deutschland: Im Januar 1936 ging er nach Haifa. Noch im Oktober desselben Jahres starb er dort im Alter von 68 Jahren.

Die frühen und späteren Auswanderungen veränderten den familiären Lebensmittelpunkt. In Palästina begann für mehrere Angehörige ein neuer Lebensabschnitt.

Georg Heymann: Widerstand, Haft und Rückkehr

Georg Heymann studierte nach dem Abitur am Kölner Schillergymnasium Rechtswissenschaften und wurde um 1930 promoviert. Im selben Jahr heiratete er Alice David. Sie war im kommunistischen Widerstand aktiv; Georg schloss sich diesem Widerstand an.

Im März 1933 wurde er für etwa sieben Wochen im Konzentrationslager Brauweiler inhaftiert. Die nationalsozialistische Bezeichnung „Schutzhaft“ verschleierte dabei die willkürliche Verfolgung. Nach einer erneuten Verhaftung 1936 wurde Georg zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei Misshandlungen durch die Gestapo erblindete er auf einem Auge.

1939 gelang ihm die Flucht nach Palästina. Er diente anschließend als britischer Soldat in der Royal Air Force. Ende der 1950er Jahre kehrte er nach Deutschland zurück. Später lebte er mit seiner zweiten Frau in Brühl, wo er am 4. März 1994 starb.

Ein Gedanke für den Weg

Welche Spuren hinterlässt ein Mensch an einem Ort, auch wenn er ihn verlassen muss?

Historische Grundlage: Josef Wißkirchen, Auf jüdischen Spuren in Pulheim-Stommeln, Münster 2022, und die bisherige Stationsseite der Initiative ↗. Die historische Vorlage wurde für diese Seite neu gegliedert und sprachlich überarbeitet. Offene oder unsichere Angaben bleiben als solche erkennbar.

Bildquelle: bisheriger Rundgang von „Pulheim zeigt sich“. Nach dessen Bildnachweis sind die Abbildungen mit Genehmigung des Verfassers dem genannten Buch entnommen. Die Aufnahmen wurden für die Webdarstellung verkleinert. Die Hörfassung wurde inhaltlich unverändert übernommen und für die Webwiedergabe komprimiert.