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Station 02 / 08 · Pulheim-Stommeln

Familie Moses.

Nettegasse 1

Sieben Kinder wuchsen im Haus von Carl und Sara Moses auf. Ihre Lebensgeschichten führen von Stommeln in den Ersten Weltkrieg, ins Exil und in die nationalsozialistischen Ghettos und Vernichtungslager.

Die Geschichte lesen
Das Haus der Familie Carl Moses, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.
Das Haus der Familie Carl Moses, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.

Eine Familie aus Stommeln

Carl Moses wurde 1857, Sara, geborene Haas, 1860 in Stommeln geboren. Carl arbeitete als Viehhändler und Metzger. In ihrem kleinen Haus in der Nettegasse zogen sie sieben Kinder groß: Antoinette, Georg, Hugo, Ernst, Else, Anna und Frieda.

Georg und Hugo dienten im Ersten Weltkrieg als deutsche Soldaten. Hugo fiel 1915 an der Ostfront. Sara starb 1929, Carl im Juli 1937. Er war der letzte Mensch, der auf dem jüdischen Friedhof in Stommeln beigesetzt wurde.

Flucht – und ein Kind, das zurückbleiben musste

Nach dem Tod seiner Mutter kehrte Ernst Moses mit seiner Frau und den beiden Kindern aus Köln in das Elternhaus zurück. Im April 1937 gelang Ernst, seiner Frau und ihrem Sohn Herbert die Flucht in die USA.

Tochter Ilse, geboren 1929, konnte nicht mitreisen. Weil sie mit einer geistigen Behinderung lebte, erhielt sie kein Einreisevisum. Sie blieb bei ihrem Großvater. Ihr Vater hoffte, sie später nachholen zu können. Auch Else und Frieda flohen 1938 in die USA, Georg folgte 1940.

Deportation nach Łódź und Riga

Anna, seit 1936 verwitwet, wurde im Mai 1941 zusammen mit ihrer Tochter Hella aus der Kölner Wohnung vertrieben. Beide mussten in ein Haus in der Eburonenstraße ziehen, in dem jüdische Menschen zwangsweise untergebracht wurden. Am 22. Oktober 1941 wurden Anna und Hella in das Ghetto Łódź deportiert. Annas Schwester Antoinette und deren Mann folgten in einem Deportationstransport am 30. Oktober.

Nach der überlieferten Darstellung wurden Anna, Hella und Antoinette vermutlich im Vernichtungslager Chełmno, auch Kulmhof genannt, ermordet.

Ilse wurde am 7. Dezember 1941 allein in das Ghetto Riga deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Ihre Geschichte steht auch für die besondere Schutzlosigkeit eines Kindes, dem die Flucht mit seiner Familie verwehrt wurde.

Ein Gedanke für den Weg

Was bedeutet es, wenn einer Familie die gemeinsame Flucht verwehrt wird?

Historische Grundlage: Josef Wißkirchen, Auf jüdischen Spuren in Pulheim-Stommeln, Münster 2022, und die bisherige Stationsseite der Initiative ↗. Die historische Vorlage wurde für diese Seite neu gegliedert und sprachlich überarbeitet. Offene oder unsichere Angaben bleiben als solche erkennbar.

Bildquelle: bisheriger Rundgang von „Pulheim zeigt sich“. Nach dessen Bildnachweis sind die Abbildungen mit Genehmigung des Verfassers dem genannten Buch entnommen. Die Aufnahmen wurden für die Webdarstellung verkleinert. Die Hörfassung wurde inhaltlich unverändert übernommen und für die Webwiedergabe komprimiert.