Eine Familie aus Stommeln
Carl Moses wurde 1857, Sara, geborene Haas, 1860 in Stommeln geboren. Carl arbeitete als Viehhändler und Metzger. In ihrem kleinen Haus in der Nettegasse zogen sie sieben Kinder groß: Antoinette, Georg, Hugo, Ernst, Else, Anna und Frieda.
Georg und Hugo dienten im Ersten Weltkrieg als deutsche Soldaten. Hugo fiel 1915 an der Ostfront. Sara starb 1929, Carl im Juli 1937. Er war der letzte Mensch, der auf dem jüdischen Friedhof in Stommeln beigesetzt wurde.
Flucht – und ein Kind, das zurückbleiben musste
Nach dem Tod seiner Mutter kehrte Ernst Moses mit seiner Frau und den beiden Kindern aus Köln in das Elternhaus zurück. Im April 1937 gelang Ernst, seiner Frau und ihrem Sohn Herbert die Flucht in die USA.
Tochter Ilse, geboren 1929, konnte nicht mitreisen. Weil sie mit einer geistigen Behinderung lebte, erhielt sie kein Einreisevisum. Sie blieb bei ihrem Großvater. Ihr Vater hoffte, sie später nachholen zu können. Auch Else und Frieda flohen 1938 in die USA, Georg folgte 1940.
Deportation nach Łódź und Riga
Anna, seit 1936 verwitwet, wurde im Mai 1941 zusammen mit ihrer Tochter Hella aus der Kölner Wohnung vertrieben. Beide mussten in ein Haus in der Eburonenstraße ziehen, in dem jüdische Menschen zwangsweise untergebracht wurden. Am 22. Oktober 1941 wurden Anna und Hella in das Ghetto Łódź deportiert. Annas Schwester Antoinette und deren Mann folgten in einem Deportationstransport am 30. Oktober.
Nach der überlieferten Darstellung wurden Anna, Hella und Antoinette vermutlich im Vernichtungslager Chełmno, auch Kulmhof genannt, ermordet.
Ilse wurde am 7. Dezember 1941 allein in das Ghetto Riga deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Ihre Geschichte steht auch für die besondere Schutzlosigkeit eines Kindes, dem die Flucht mit seiner Familie verwehrt wurde.




