Die Nachbarschaft kannte sie als „Moses Hannchen“. Johanna Moses führte einen kleinen Laden am Kattenberg und kümmerte sich um ihre Familie. Im Alter wurde sie aus ihrem vertrauten Leben gedrängt.
Das Haus am Kattenberg 27, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.
Ein Laden mitten in der Nachbarschaft
Johanna Moses wurde 1864 in Stommeln geboren. Sie blieb unverheiratet und lebte bis 1938 in ihrem Elternhaus am Kattenberg. Dort betrieb sie einen kleinen Nachbarschaftsladen, von dessen Erträgen sie ihren Lebensunterhalt bestritt.
In der überlieferten Darstellung wird sie als warmherziger Mensch beschrieben, der besonders bei den Kindern beliebt war. Zu ihrem Bruder Carl Moses in der Nettegasse 1 sowie zu dessen Kindern und Enkelkindern hatte sie engen Kontakt. Besonders liebevoll kümmerte sie sich um ihre Großnichte Ilse, die mit einer geistigen Behinderung lebte.
Der Verlust des vertrauten Lebens
Nach den Novemberpogromen 1938 durfte Johanna ihren Laden nicht mehr weiterführen. Die damals 74-Jährige zog zu ihrer Nichte Anna Katz, geborene Moses, nach Köln. Dort lebte auch Ilse.
1941 wurde diese Hausgemeinschaft durch die nationalsozialistischen Maßnahmen auseinandergerissen. Zuletzt musste Johanna in einem sogenannten „Judenhaus“ an der Bachemer Straße leben. Der Begriff bezeichnete ein Haus, in dem jüdische Menschen zwangsweise untergebracht wurden.
Von Köln nach Theresienstadt und Treblinka
Am 15. Juni 1942 wurde Johanna Moses vom Bahnhof Köln-Deutz nach Theresienstadt deportiert. Bereits am 19. September wurde sie von dort mit einem Massentransport in das Vernichtungslager Treblinka gebracht.
Dort wurde sie unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Johanna Moses war 78 Jahre alt. Die erhaltenen Bilder und Gegenstände aus ihrem Laden erinnern an ihr Leben, das weit mehr war als die Geschichte ihrer Verfolgung.
Dokumente eines Lebens · Spuren eines Ortes
Bilder, die bleiben.
Johanna Moses vor ihrem Laden mit ihrer Großnichte Ilse.Porträt von Johanna Moses.Bis 1938 verwendete Hohlmaße aus dem Laden von Johanna Moses.
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Ein Gedanke für den Weg
Wie erinnern wir uns an einen Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit – und nicht allein als Opfer?
Historische Grundlage: Josef Wißkirchen, Auf jüdischen Spuren in Pulheim-Stommeln, Münster 2022, und die bisherige Stationsseite der Initiative ↗. Die historische Vorlage wurde für diese Seite neu gegliedert und sprachlich überarbeitet. Offene oder unsichere Angaben bleiben als solche erkennbar.
Bildquelle: bisheriger Rundgang von „Pulheim zeigt sich“. Nach dessen Bildnachweis sind die Abbildungen mit Genehmigung des Verfassers dem genannten Buch entnommen. Die Aufnahmen wurden für die Webdarstellung verkleinert. Die Hörfassung wurde inhaltlich unverändert übernommen und für die Webwiedergabe komprimiert.