Ein Haus, drei Kinder, ein Familienleben
Jakob Stock, 1869 in Stommeln geboren, lebte als Viehhändler mit seiner Frau Emma, geborene Adler, im elterlichen Haus an der Nettegasse. Ihre Kinder Berta, Hans und Hilde wurden 1906, 1908 und 1911 geboren. Emma starb 1940.
Anfang 1939 musste auch Jakobs Schwester Helene hier einziehen. Sie war aus ihrer Wohnung an der Venloer Straße 579 vertrieben worden. Das Haus Stock gehörte nun zu den von den Nationalsozialisten als „Judenhäuser“ bezeichneten Häusern, in denen jüdische Menschen zwangsweise zusammenleben mussten.
Hildes Flucht nach England
Der jüngsten Tochter Hilde gelang im Juli 1939 die Flucht nach England. Dort lernte sie den ebenfalls aus Deutschland geflohenen Dr. Ernst Altmann kennen. Die beiden heirateten 1941 und bekamen zwei Kinder.
Ernst starb 1962, Hilde 1989 in London. Ihre Geschichte zeigt einen Weg des Überlebens und des Neuanfangs, während die zurückgebliebenen Angehörigen immer stärker der Verfolgung ausgesetzt waren.
Deportation und Ermordung
Am 14. Juni 1942 wurden Jakob, Berta und Helene Stock von ihrem Haus aus auf einem offenen Lastwagen zur Kölner Messehalle in Deutz gebracht. Am folgenden Tag wurden sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
Helene starb dort am 5. April 1944. Berta wurde am 19. Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau weiterdeportiert und dort ermordet. Die historische Vorlage nennt den 20. Oktober als mutmaßlichen Todestag.
Hans Stock wurde zunächst in Köln zur Zwangsarbeit eingesetzt. Am 20. Juli 1942 wurde er nach Minsk deportiert. Vier Tage später, am 24. Juli, wurde er in Maly Trostinez gemeinsam mit den Menschen seines Transports erschossen.
Was nach der Deportation geschah
Der Hausrat der Familie wurde öffentlich vor dem Haus versteigert. Menschen aus Stommeln erwarben Möbel, Textilien und andere Gegenstände. Verfolgung und Enteignung vollzogen sich damit sichtbar im Ort.
Jakob Stock überlebte Theresienstadt und kehrte Anfang Juli 1945 nach Köln zurück. Dort starb er am 24. September 1951. Das auf der Ortsaufnahme gezeigte Gebäude an der Nettegasse 11 ist ein Nachfolgebau des früheren Hauses Stock.




