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Station 08 / 08 · Pulheim-Stommeln

Vorsteherhaus & Synagoge.

Hauptstraße 85a · Zugang hinter Haus Nr. 85

Die Synagoge ist ein bauliches Zeugnis jüdischen Lebens in Stommeln. Dass das Gebäude die nationalsozialistischen Pogrome überstand, bewahrte einen Ort – nicht die Gemeinde, die ihn einst mit Leben gefüllt hatte.

Die Geschichte lesen
Das frühere Vorsteherhaus vor der Synagoge, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.
Das frühere Vorsteherhaus vor der Synagoge, Aufnahme aus dem bisherigen Rundgang.

Vom Vorsteherhaus zum Gemeinderaum

Im kleinen Vorsteherhaus an der Hauptstraße lebte Moses Cahn, geboren 1798 und gestorben 1845. Als Vorsteher der jüdischen Gemeinde stellte er 1830/31 eine rückwärtige Scheune für die Einrichtung einer Synagoge zur Verfügung.

1882 entstand an dieser Stelle der erhaltene Synagogenbau. Als immer mehr Gemeindemitglieder Stommeln verließen, konnten seit etwa 1930 keine regelmäßigen Gottesdienste mehr stattfinden. Der Ort blieb dennoch ein Zeugnis des religiösen und gemeinschaftlichen Lebens jüdischer Menschen in Stommeln.

Warum das Gebäude 1938 erhalten blieb

1937 wurde die Synagoge an einen benachbarten Landwirt verkauft, der sie als Lagerraum nutzte. Als während der Novemberpogrome SA-Angehörige mit Benzinkanistern anrückten, zog die Gruppe angesichts dieser Besitz- und Nutzungsverhältnisse wieder ab. Ihre Gewalt richtete sich unter anderem gegen den jüdischen Friedhof.

Das Gebäude blieb stehen. Die Menschen der jüdischen Gemeinde wurden dadurch nicht vor Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung geschützt. Beides gehört zur Geschichte dieses Ortes.

Ein Ort wird wieder sichtbar

Der 1977 gegründete Pulheimer Geschichtsverein machte auf das vernachlässigte Gebäude und seine historische Bedeutung aufmerksam. Ende der 1970er Jahre erwarb die Stadt Pulheim die ehemalige Synagoge; bis 1983 wurde sie restauriert.

Seit 1991 setzt sich das städtische Kunstprojekt Synagoge Stommeln mit dem Raum, seiner Architektur und seiner Geschichte auseinander. Die ehemalige Synagoge ist dadurch auch ein Ort künstlerischer Erinnerung und öffentlicher Auseinandersetzung.

Den Ort besuchen

Die Stadt Pulheim nennt als Besucheranschrift Hauptstraße 85a. Die Synagoge liegt hinter Haus Nummer 85.

Der Rundgang führt zu den Erinnerungsorten im öffentlichen Raum. Ein Zugang zum Innenraum der Synagoge ist damit nicht automatisch verbunden. Hinweise zu Ausstellungen, Besichtigungen und Öffnungszeiten gibt die Stadt Pulheim.

Ein Gedanke für den Weg

Was kann ein erhaltenes Gebäude über eine Gemeinschaft erzählen, die gewaltsam zerstört wurde?

Historische Grundlage: Josef Wißkirchen, Auf jüdischen Spuren in Pulheim-Stommeln, Münster 2022, und die bisherige Stationsseite der Initiative ↗. Die historische Vorlage wurde für diese Seite neu gegliedert und sprachlich überarbeitet. Offene oder unsichere Angaben bleiben als solche erkennbar.

Bildquelle: bisheriger Rundgang von „Pulheim zeigt sich“. Nach dessen Bildnachweis sind die Abbildungen mit Genehmigung des Verfassers dem genannten Buch entnommen. Die Aufnahmen wurden für die Webdarstellung verkleinert. Die Hörfassung wurde inhaltlich unverändert übernommen und für die Webwiedergabe komprimiert.

Besucheradresse und heutiges Kunstprojekt: Stadt Pulheim · Synagoge Stommeln ↗.